Land des Schweigens und der Dunkelheit
Sign in to track this film in your collection or want list.
Year Published: 1971
Country of Origin: Germany
Description: 16mm Film - Land des Schweigens und der Dunkelheit - BRD 1971 Buch und Regie: Werner Herzog Kamera: Jörg Schmidt-Reitwein Musik: Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi Sprecher: Rolf Illig Mitwirkende: Fini Straubinger, M. Baaske, Elsa Fehrer, Heinrich Fleischmann, Vladimir Kokol, Resi Mittermeier u. a. 'Land des Schweigens und der Dunkelheit' (1971) war Herzogs erster abendfüllender Dokumentarfilm. Sein Thema, das Ringen um menschliche Kommunikation, ist so natürlich für Herzog, dass der Film in gewisser Weise der Inbegriff des frühen Herzog ist. Der Film folgt Fini Straubinger, einer Anführerin und Fürsprecherin der Gehörlosen und Blinden in Deutschland, durch ein Leben in ständiger Aktivität, in dem sie Menschen ohne Augenlicht oder Gehör unterhält und besucht. Die Erzählerin erzählt uns, dass sie, nachdem sie bei einem Treppensturz ihr Augenlicht und ihr Gehör verloren hatte, siebzehn Jahre lang ans Bett gefesselt war. Der enorme Antrieb und Wille, der es ihr schließlich ermöglichte, aus dem Bett aufzustehen, wird nun in den fast zwanghaften Drang zur Kommunikation kanalisiert, der das implizite Thema des Films ist, oder zumindest sein zentrales Geheimnis und seine treibende Kraft. Herzog scheint entschlossen, ihre Sichtweise mitzuteilen: Die Eröffnungseinstellung des Films, ein verzerrtes Schwarz-Weiß-Bild von Wolken über einer Straße, nimmt ihre spätere Schilderung eines Traums vorweg, in dem sie ihre Erinnerungen aus der Zeit beschreibt, als sie noch sehen und hören konnte. Aber die Fähigkeit des Films, ihre Sichtweise zu vermitteln, wird durch eine paradoxe Spannung eingeschränkt, die dem Versuch innewohnt, mit Hilfe des Mediums Film - das ausschließlich über die Sinne Ton und Sehen kommuniziert - Menschen zu porträtieren, die weder sehen noch hören können. Da sie keine Worte hat, kommuniziert Fini mit anderen und nimmt die Außenwelt durch Berührung wahr. Der Film beschreibt ein Berührungsalphabet, in dem verschiedene Arten von Berührungen verbale Symbole ausdrücken. Aber die aufschlussreichste Kommunikation im Film erfolgt durch Berührungen, die einen sensorischen Austausch ermöglichen, der unmittelbarer und weniger geordnet ist als Sprache. In der ersten Hälfte des Films trifft Fini auf Menschen, die einst sehen oder hören konnten; einige von ihnen haben sich ein Restverständnis für Sprache bewahrt. Und Fini selbst ist bemerkenswert wortgewandt und spricht fast zwanghaft durch den Film. Die eindrucksvollsten und stärksten Sequenzen sind jedoch sensorischer Natur: alte Menschen, die in einem Kleinflugzeug fliegen, eine Pflanze in einem botanischen Garten oder die Tiere in einem Zoo berühren. Später erlebt ein Junge, der blind und taub geboren wurde und die Sprache nicht beherrscht, das Wasser sehr lebendig: Er benetzt seinen Kopf oder füllt seinen Mund mit Wasser, weigert sich aber, ganz unterzutauchen, und der Erzähler berichtet, dass es ein Jahr dauerte, bis er überhaupt ins Wasser gehen konnte. Aber jetzt sind seine Erfahrungen mit Wasser - die Strahlen einer Dusche oder das teilweise Eintauchen in ein Schwimmbad - ekstatisch und geheimnisvoll. In manchen Momenten löst er sich aus der Umklammerung seines Lehrers und wagt sich allein ins Wasser, wobei seine Sinne ihn von jeglichem menschlichen Kontakt abschirmen. Seine ausgestreckte Hand wird so zu einem aussagekräftigen Symbol für die Macht des menschlichen Kontakts, aber auch für seine Zerbrechlichkeit: der Akt des Greifens birgt das Risiko, dass die ausgestreckte Hand nicht ergriffen wird, dass die Bande, die ihn mit den anderen verbinden, durchtrennt werden könnten. Herzog behandelt dies nicht als völlig beängstigend: Nachdem der Junge seinem Ausbilder entkommen ist, macht er sich auf den Weg zu einer Dusche, tastet an der Wand nach dem Griff und stellt die Dusche an. Während das Wasser in Strömen auf ihn niederprasselt, scheint er eine rein taktile Stimulation jenseits der Verbalisierung zu erfahren. Die Erforschung der menschlichen Kommunikation im Film berührt unweigerlich die Frage, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Für Fini scheint die Fähigkeit zu kommunizieren, ihre Gefühle und ihre Liebe zu anderen mitzuteilen, von zentraler Bedeutung für ihr Wesen zu sein. Doch für den Jungen im Schwimmbad scheinen die Beziehungen zu seinen Mitmenschen weit weniger dringend oder wichtig zu sein. Später zeigt der Film Vladimir, einen 22-Jährigen, der blind und taub geboren wurde und - seinem Aussehen nach - vielleicht auch zurückgeblieben ist, als visuell isoliert, allein im Bild. In seiner Jugend von menschlichen Kontakten abgeschottet, zeigt er nur wenige menschliche Züge: Er benutzt seine Zähne nicht zum Essen, sondern kaut weiche Nahrung mit dem Zahnfleisch; statt seine Stimmbänder zu benutzen, um Laute zu erzeugen, bläst er Luft durch seine Lippen... Support my work on Ko-fi! https://ko-fi.com/theartoffilmon16mm
Online Copy: https://www.youtube.com/watch?v=m5rZhfFz-RA
Metadata Source:YouTube
1 user has this film:
Art of Film On 16mm Youtube
No related films.
Record added: 2026-06-12 21:02:27